FALLING | IN LOVE Grand Show – Ein Weihnachtsgeschenk?!

FALLING | IN LOVE Grand Show - Szenenbild

FALLING | IN LOVE Grand Show – Ein Weihnachtsgeschenk?!

Friedrichstadt-Palast Berlin

Premiere am 21. September 2023 (gesehen am 26. November)

Gleich zweimal konnten wir in diesem Jahr die großen Shows des Berliner Friedrichstadt-Palastes erleben.
Am Pfingstwochenende eine der letzten Vorstellungen ARISE und Ende November deren Nachfolger FALLING | IN LOVE.

ARISE war unter Corona-Einschränkungen gestartet, sprich nur jeder zweite Platz durfte besetzt werden, und es galt Maskenpflicht.
Doch es konnte gespielt werden!
Mit der Premiere am 7. August 2021 endeten 17 Monate Schließzeit. Fast programmatisch dann der Titel der Inszenierung „ARISE – Liebe ist stärker als Zeit“.

Was das Publikum nicht sehen konnte, war die enorme Herausforderung, unter Pandemie-Vorschriften die Show überhaupt auf die Bühne zu bringen. Tests, Abstandsregelungen, Maskenpflichten und Kontaktnachverfolgungen machten es Künstlerinnen, Künstlern, Gewerken und Orgateams nicht leicht. Doch trotz (oder gerade wegen) dieser Vorgeschichte brach ARISE im Anschluss alle Rekorde.
Im April 2023 wurde die bisherige Höchstmarke im Kartenverkauf von 44,1 Millionen Euro überschritten – 720.000 Gäste hatten die Vorstellungen besucht. Und es sollten bis Anfang Juli noch einige hinzukommen, auch wir.

Es war wirklich atemberaubend, ganz besonders in Erinnerung blieben zwei Artistik-Nummern. Bei einer Schleuderbrett- und einer Dreifach-Trapez-Gruppe stockte wohl den meisten im Publikum erst der Atem und hielt sie danach nichts mehr auf den Sitzen. Die Schwerkraft schien für die Akteure außer Funktion, kaum mochte man glauben, dass sie wieder heil auf den Boden kommen, oder ob sie irgendwo in der hohen Kuppel des Saals zwischen den Scheinwerfern verschwinden würden. Wobei nicht nur die Leistung der Artisten zu erwähnen ist, sondern auch die der Bühnentechnik. Aufgebaut wurde die Anlage mit drei parallelen Trapezen und Fangnetz während der Pause, doch wie der Aufbau während nur einer kurzen Zwischennummer wieder verschwand, war ebenfalls wie eine perfekte Chorographie.

Die Erinnerungen an ARISE waren wieder frisch, als wir ein halbes Jahr später am Palast beim Italiener saßen, und gegenüber die Trailer über die Bildschirme liefen. Das Interessante an diesen Vorschauen ist vor allem, was sie nicht zeigen. Denn die Ausschnitte sollen neugierig machen, was auch dadurch gelingt, dass die Höhepunkte nicht vorweg genommen werden.

Bereits einige Fakten zu FALLING | IN LOVE, der neuen Grand Show, sprechen für sich: Jean Paul Gaultier als Designer, 14 Millionen Euro Produktionsbudget (Rekord), 100 Millionen Swarovski Kristalle im Kostüm- und Bühnenbild (Rekord), … – dazu der Anspruch: „In diesen krisenhaften Zeiten greift das Wort FALLING im Showtitel ein Gefühl vieler Menschen auf. Der sicher geglaubte Boden scheint bisweilen zu schwanken, eine Ahnung von drohendem Absturz oder des Fallens, mental, nicht selten auch finanziell. „Am Palast bleibt der graue Alltag vor der Tür, die Gäste sollen Optimismus tanken und mit nach Hause nehmen“, sagt Intendant und Produzent Dr. Berndt Schmidt…“ und weiter: „Am Palast glauben wir – trotz allem – an das Schöne dieser Welt und an das Gute im Menschen. Das mögen manche für blauäugig halten, wer aber die ewigen Menschheitsträume von einer besseren Welt aufgibt, gibt sich selbst und seine Zukunft auf. Träume sind Visionen. So fallen die Gäste unserer neuen Grand Show nicht ins ängstigende Bodenlose – sondern in ein Blütenmeer aus Liebe.“ Der optisch zweigeteilte Showname FALLING I IN LOVE visualisiert diese Mehrdeutigkeit.“

Dass Blütenmeer wörtlich zu nehmen ist, zeigt sich später auf der Bühne. Ohne alles zu verraten: Wie lange mag es gedauert haben, das zu realisieren. Dank erneut an die fleißigen, unsichtbaren Personen hinter der Bühne.

Nicht selbstverständlich sind auch Diversität und Inklusion der Besetzung. Produzent Berndt Schmidt betont: „Mit Jara Buczynski, Floor Kronen und Marc Chardon konnten wir drei neue außergewöhnliche Stimmen gewinnen. In Kombination mit unseren bekannten Gesangsgrößen Olivier St, Louis und Laura Panzeri entsteht eine Stimmgewalt, die die Gäste begeistern wird. Erstmalig in unserer Geschichte wird die männliche Hauptrolle von zwei gehörlosen Darstellern verkörpert. Callum Webdale und Hearns Sebuado übernehmen als professionell ausgebildete Tänzer in einem rollierenden System die Hauptrolle des You.“

Dann geht es los: „Who are You? You ist jung, voller Leidenschaft und Sehnsucht. Doch er passt in keine Schablonen. In den versteinerten Gesichtern um ihn herum findet er keine Liebe. Als er erneut zurückgewiesen wird, wünscht sich You, nur noch im Boden zu versinken.“ You´s Welt scheint farblos, doch drei andere Welten bieten sich an. Ganz in Blau, in Grün, in Rot – doch auch ein Widersacher all der Schönheit und Harmonie fehlt nicht.

Der erste Teil der Inszenierung ist geprägt von der Offenbarung dieser Gärten ihren Verlockungen und auch Gefahren – in Tanz, Musik und berauschenden Farben.
Dann tritt Ruhe ein, ein Balance-Akt soll die Sinne wieder konzentrieren und auf andere Art schärfen. Leider misslingt diese Idee dramaturgisch und an diesem Tag auch dem Künstler. Die Musik zur Nummer ist längst vorbei (Warum spielt das Live-Orchester nicht einfach weiter?), im Publikum weicht Spannung ansteigender Unruhe, die sich auf den Artisten überträgt, der sein Ziel, eine schwebende Skulptur, leider nicht erreichen kann. Die Bühne öffnet sich erneut in Licht, Tanz und Blüten und macht das Pech schnell vergessen.

Nach der Pause zeigt der Friedrichstadt-Palast einen weiteren Ausschnitt seiner besonderen, bühnentechnischen Möglichkeiten, um schließlich zum artistischen Höhepunkt zu führen. Nachdem bereits zuvor vier Luftakrobatinnen an Bungee-Trapezen durch den weiten Raum wirbelten, fährt nun ein wahres Gebäude mit Trampolinen, hohen Wänden, Fenstern und Reckstangen ganz nah an die Gäste. Elf Artistinnen und Artisten fliegen, kreisen, federn, wirbeln und springen in einer speziell für diesen Auftritt entwickelten Kreation – man kann dem Geschehen kaum folgen, noch verstehen, wie sie das machen. Und meint man, jetzt das Verrückteste gesehen zu haben, überfliegt nochmals jemand alle Grenzen.

Mehr soll an dieser Stelle jedoch nicht verraten werden. Alles steigert sich zu einer Kombination der Farben und Blüten, von Wasser und Licht, Tanz und Musik zu einem grandiosen Finale. Schauen Sie es sich selbst an! Noch im Dezember und dann weiter im neuen Jahr mit sehr vielen Vorstellungen.

Jens Pittasch

Nächste Vorstellungstermine und Informationen!

Bildnachweis:
THE BLUE GARDEN | Foto: Nady El-Tounsy
THE GREEN GARDEN | Foto: Nady El-Tounsy
THE RED GARDEN | Foto: Nady El-Tounsy
NEUANFANG (The Mixed Colour Garden) | Foto: Nady El-Tounsy
FALLING | IN LOVE Key Visual
HUMANS OF OUR TIME | Foto: Chris Moylan

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