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JEDERMANN

JEDERMANN - Szenenfoto

JEDERMANN

JEDERMANN – EIN MUSICAL VOM STERBENLERNEN

Musik von Wolfgang Böhmer, Libretto von Peter Lund

nach Hugo von Hofmannsthal

Musikalische Leitung Johannes Zurl

Regie Tomo Sugao

„Das Karussell fährt immer, immer rundherum…“

– vom Cottbuser Stadtfest wehen ab und zu Klänge herüber. Und mir kam die Zeile in den Sinn, als hier – auf der Open-Air-Theaterbühne – alles begann zu wirbeln und sich zu drehen.

Vorhin habe ich dann nachgeschlagen, woher die Liedzeile eigentlich stammt. Und, siehe da, aus einem Uralt-UFA-Film mit dem Titel „Karneval der Liebe“ (Michael Jary, 1943).

Es gibt halt keine Zufälle: Denn mitten in einem Karneval scheinen wir auch hier zu sein.

Zugleich ein Zirkus, zentral eine Manege, darauf und darum sehr viele sehr bunte Gestalten, überwiegend clownesk gestaltet, teils grotesk überzeichnet, alles bunt und in den Kostümen wunderbar fantasievoll.  

Im Bühnenhintergrund scheinen Zuschauer des Spektakels zu sehen zu sein. Auf einem riesigen Gemälde stehen sich Himmel und Hölle gegenüber. Ein Bild, das nicht nur der Szene von vornherein einen ambivalenten Charakter gibt, sondern das auch so detailreich ist, dass man allein für dessen Erkundung eine Stunde vorher kommen könnte.

Auf der Bühne, als wichtiges Element des szenischen Wandels und der dramaturgischen Gestaltung, eine von Helfern manuell bewegte Drehbühne (der Wind weht die Stoffhänger teils zur Seite und macht sie sichtbar). Die Maschinerie des Lebens wird nicht versteckt: Menschen drehen das Karussell, auf dem sie selbst auch stehen, bis es für den Einzelnen jäh zum Stillstand kommen kann.

Denn daneben sitzt, im Kassenhäuschen zum Weltenzirkus, der Tod höchstselbst.

Dann der Auftakt! Mit einem unmittelbar vollen, modernen in jeder Beziehung starken Musicalaufgebot: Die Musik mitreißend, ohne häufig gehörten Schmalz. Die Texte bissig und klar. Dargebracht von einer großen Solistenriege und dem Opernchor. Szenisch verstärkt durch etliche bestens eingesetzte Statisten. Das ist beindruckend vom ersten Bild und vom ersten Ton an und in der Akustik sehr gut herübergebracht.

Der klanglichen Seite könnte man ein eigenes Kapitel widmen. Denn die Herausforderungen sind enorm.

Es wird live musiziert. Vom Orchester, das ein gutes Stück seitlich der Bühne in einem Zelt sitzt – weder im direkten Sichtbereich der Zuschauer noch der Künstler. Und schon garnicht in Hörreichweite.

Es ist bemerkenswert, mit welch musikalischer und technischer Meisterleistung die hieraus entstehenden Schwierigkeiten zu einem nahezu perfekten Ergebnis gebracht werden:

Auf Zuschauerseite sehr guter Klang mit tracker-gesteuerter Balance der Klangpositionen der Solisten. Auf Künstlerseite (ich habe im Nachgang mit mehreren gesprochen) wurde für jeden einzelnen dessen Optimum mit In-Ear- und Bühnenmonitoren gefunden. Im Hintergrund werkelten für die Zuschauer unsichtbare komplexe, leistungsfähige Akustiksysteme in Schaltzentralen-Größe, gesteuert von erfahrenen Toningenieuren.

Aus Hofmannsthals Klassiker entsteht ein Musical ganz eigener Klasse.

Kein „Jedermann-mit-Musik“, sondern eine Inszenierung, die die Vorlage ernst nimmt und sie szenisch, gestalterisch und musikalisch mitreißend ganz eigenständig übersetzt.

An Schlüsselszenen kommt etwas Originaltext zum Vorschein – und hier zeigen die ohnehin großartigen Sängerinnen und Sänger sich als äußerst beeindruckende Schauspieler.

Apropos beeindruckend – das Werk lässt sich nicht angemessen beschreiben, ohne zumindest eine Einzelleistung besonders zu nennen: Mirjam Miesterfeldt als Tod ist schlicht der Hammer. Alle sind wirklich, wirklich gut. Einzelne finden in diesem Umfeld gar zu neuer, bisher nicht gekannter, zusätzlicher Ausdrucksstärke. Zu verdanken ist ein Großteil dieser Energie, die auf Ensemble und Publikum so inspirierend wirkt, Mirjam Miesterfeldt. Danke!

Und so ist dieses Jedermann-Musical eine furiose Spitzenleistung aller auf, neben und hinter der Bühne.

Das Open-Air-Spektakel setzt den Schlusspunkt dieser Saison und markiert den Abschied von Interimsintendant Hasko Weber. Und da es in die nächste Spielzeit übernommen wird, also im nächsten Sommer erneut läuft, verbindet es unseren großen Dank an Weber und sein Team mit den Erwartungen an die kommende Theaterleitung.

Zunächst aber: Sichern Sie sich die Restkarten für diese Staffel und am besten gleich welche für 2027 – und: Sagen Sie es weiter!

Jens Pittasch

nächste Vorstellungen:
aktuelle Staffel noch 23.6. bis 8.7.2026

Informationen und Karten

BESETZUNG

Fotos: Bernd Schönberger (Beitragstitelbild: rbb)

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