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AscheMOND oder The Fairy Queen

AscheMOND oder The Fairy Queen, Szenenfoto

AscheMOND oder The Fairy Queen

AscheMOND oder The Fairy Queen
Oper von Helmut Oehring unter Verwendung von Musiken Henry Purcells
auf ein Libretto von Stefanie Wördemann mit Texten von William Shakespeare, Adalbert Stifter, Heinrich Heine und Helmut Oehring
Soundproduktion: Torsten Ottersberg / GOGH s.m.p.
Cottbuser Fassung des Komponisten
Staatstheater Cottbus

Premiere am 23. Januar 2026, gesehen am 24. Januar 2026

Das klang interessant!
Alles, was da im Vorfeld zu lesen war.
Und das war interessant!
Was es im Theater zu erleben gab.

Darum sind wir hingegangen. Und diese Erwartung wurde erfüllt.

Was wir allerdings gesehen haben: Ich weiß es nicht. Im (wirklich) besten Sinne – ein Experiment. Viele Anregungen für Ohren und Augen. Bei mir mit Dauergrinsen wegen der vielen Spielvarianten auf allen Ebenen. Letzteres auch räumlich.

Denn im ersten Rang spielte das Bach Consort Cottbus die eher klassischen Töne. Während das Philharmonische Orchester im Graben für moderne Klänge, und zwei Musiker auf der Bühne für deren abstrakte Versionen zuständig waren.

Auch dort, auf der Bühne, teilten sich die Spielwelten. Ganz vorn rechts, eine Art DJ-/Moderationspult, ganz links ein Gebärdendolmetscher; hinten eine breite Front aus drei Jalousien – die mich zunächst an eine überdimensionale Essensausgabe erinnert, sich dann jedoch als überraschende Projektionsfläche und Trennwand zu einer höchst wandelbaren Außenwelt entpuppt.

Da draußen, in der Zwischenwelt davor und einer weiteren Projektionsebene dahinter, spielen sich Ereignisse ab, die sich schwer in eine zusammenhängende Handlung fügen lassen und doch zusammengehören.

Musikalisch ist alles eine Offenbarung.
Beginnend mit dem ersten Einsatz des wirklich krassen Countertenors Georg Bochow; gefolgt vom Opernchor, der die scheinbar so einfachen, jedoch höchst anspruchsvoll zu singenden Textrudimente und Wiederholungen meistert – und diese noch mit gebärdensprachlichen Gesten kombiniert; und hin zu allen weiteren Solisten: Wow!

Viele weitere Entdeckungen bieten Klänge und Musik. Was für eine Freude.
Zuletzt fühlte ich Ähnliches bei Siegfried Matthus´ „Cosima“.
Damals schrieb unsere Autorin Sarah Döring über die Inszenierung: „Aber verstehen kann ich das Stück nicht. Ich kann nur aus der reinen sinnlichen Erfahrung während der Musik versuchen zu erahnen, wie qualvoll und schmerzlich und groß und hingebungsvoll Nietzsche seine Gefühle zu Cosima gesehen hat.“
Und ja, das gilt auch hier. Umso stärker, als gegenüber Matthus viel mehr passiert.
Es ist dafür an sich auch nicht notwendig herauszustellen, dass wir in der Hauptrolle eine gehörlose Schauspielerin und Tänzerin sehen und hören(!), Kassandra Wedel. In dieser Form der Erarbeitung des Stückes ist das geradezu folgerichtig.

Ich mag mich nicht daran versuchen, zu deuten oder aus meiner Sicht darzustellen, ob oder wie ich die Gedanken zum Stoff wiederfinden konnte, die im dicken Programmheft sehr ausführlich vorgegeben werden. Für mich zählt die unmittelbare Wirkung. Es kann sich nur individuell ETWAS erschließen, nicht genau DAS. Und das nur, wenn man sich darauf einlässt. In drei Besuchen wird das dreimal etwas Neues sein.

Eines aber würde ich auch beim vierten Mal anders sehen: Nicht der Winter steckt im Sommer, sondern der Sommer auch in jedem Winter.
HINGEHEN!

Jens Pittasch

nächste Vorstellungen:
Donnerstag, 26.03.2026, Samstag, 28.03.2026, Sonntag, 29.03.2026

Informationen und Karten

BESETZUNG

Fotos: © Bernd Schönberger

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